we've had some times
Theater, Himbeeren und gute Musik.

Soundtrack: Gerard - Lissabon.

Wir spielen dieses Drama hier so schön, als ob wir hoffen, dass es dafür Applaus gibt.


Der einzige Tag, der bezüglich Freizeitaktivitäten so richtig effektiv ist, ist der Samstag. Unter der Woche schließen die meisten Geschäfte und Einrichtungen Wiens bereits um 19 Uhr (oder ich bin zu müde, um mich noch großartig außerhalb der Linie Arbeit-Wohnheim zu bewegen) und am Sonntag haben sogar viele Cafés geschlossen, die nicht gerade für Touristen ausgelegt sind. Also unternehmen Sarah, Denise und ich samstags so viel, wie nur geht.

Doch zuvor waren wir am Freitag zum ersten Mal im Burgtheater, das Stück war von Woody Allen und hieß Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie. Im Grunde handelte es auf eine sehr ironische und lustige Art von der Frage, was zwei Menschen zusammenführt und dann auch zusammenhält - sehenswert ist es definitiv.

Leider habe ich die ersten 5 oder 10 Minuten verpasst, weil mein Zeitmanagement mal wieder an der Realität gescheitert ist. Resultat davon aber war, dass ich für die erste Hälfte des Stücks meine eigene Loge hatte, die sehr nahe am Spielgeschehen auf der Bühne dran war - vielleicht bringt chronische Unpünktlichkeit ja doch nicht nur Negatives mit sich.

Das Burgtheater liegt übrigens in der Nähe des Wiener Rathauses, das sich durchaus auch sehen lassen kann (sogar im Regen, wie auf dem Foto).



Den Samstag starteten wir im Café Himmelblau. Ein unglaublich süßes Kaffeehaus mit riesigen Teetassen, weißem und hellblauem Ambiente, gemütlichen Sofas, kleinen Tischchen, frisch gebackenem Kuchen, einer ausgewählten Speisekarte und unglaublich nettem Personal. Daran angeschlossen ist ein kleiner Shop, wo man Küchenutensilien und noch so allerlei Kram kaufen kann, der sehr süß und verspielt ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dort Stunden zu verbringen, Tee und Kaffee zu trinken und zu plaudern.

Abends kochten wir bei einem Glas Weißwein noch bei Sarah und Denise in der WG und verarzteten auf dem Heimweg noch die Himbeeren, die die Reise vom Markt in die Wohnung leider nicht so gut überstanden haben. Die armen Kleinen.



Die Entdeckung der Woche ist aber definitiv das WUK, ein Kulturzentrum im 9. Bezirk. Gestern fand dort der 3. Interkulturelle Tag der Musik statt und wir hörten uns in einer kuscheligen kleinen Halle, die an Hinterhöfe und mit Efeu überwucherte Gebäude mit hohen Fenstern grenzt, Musik aus aller Welt an. Die Besucher waren so gemischt und verschieden wie die Künstler selbst - aus aller Welt, allen Alters, Menschen in Hemden und Menschen mit Dreadlocks und Chucks, die gemeinsam kurdischer Musik zuhörten und zu den Trommelklängen afrikanischer Musik tanzten. Dazu gab es verdammt gutes Holunderbier. Und weil der Abend so gelungen war, bestellten die Mädels und ich heute gleich einmal Tickets für Leslie Clio, die am 30. September im WUK spielt - ich kann mir ihre Musik perfekt zu der urbanen Atmosphäre von gestern vorstellen.

Ich hoffe, ihr Lieben zu Hause feiert, tanzt, genießt und lasst es euch gut gehen (und von euch hören). Schlaft schön. Zum Abschluss des heutigen Beitrags gebe ich euch noch den Ausblick vom Balkon meines Wohnheims mit. Ihn als Skyline zu bezeichnen wäre wohl zu hoch gegriffen, aber das Wort klingt einfach so schön, wie auch der Himmel heute Abend für einen kurzen Moment war.

Xmagnolia am 22.9.13 23:46


Straßenkunst, Checklisten und die ersten Wochenenden in Wien.

Soundtrack: Ahzumjot - Du wolltest nur Bonnie & Clyde.

Du brauchst Mailand, Paris, alle Fashionweeks -
Du brauchst Jacob, ich bin Bijou Brigitte.


Erstaunlich, wie die Zeit rast. Nun bin ich schon die dritte Woche in Wien, bald ist es ein ganzer Monat - der erste von sechs, minus Weihnachtsferien. Da soll noch mal einer sagen, mir würde Mathematik nicht liegen.

Die Arbeit im Rahmen meines Praxissemesters macht mir noch immer Spaß. Ich bin abends oft so müde, dass ich einfach komplett angezogen und mit Musik und Licht einschlafe, wenn der Plan eigentlich war, sich nur kurz für fünf Minuten hinzulegen. Aber ich mag das, denn das Praktikum ist (heraus-)fordernd. Ich komme immer mal wieder an meine Grenzen und teste aus, wie viel geht. Ich werde von sehr lieben und offenen Menschen angeleitet, deren erster Satz stets war: "Wenn du eine Frage hast oder etwas brauchst, mein Büro ist dort den Gang runter, komm gerne vorbei." Ich bin viel unterwegs, sehe viel, höre viel, nehme viel auf und bin davon manchmal so erschlagen, dass ich erst auf dem Weg nach Hause die Ruhe haben, all das Revue passieren zu lassen, was sich den Tag über ereignet hat. Aber all das ist gut. All das ist Lehre und vor allem auch Faszination.

Meine beiden Wochenenden habe ich mit Sarah und Denise verbracht, den beiden Mädels von meiner Uni, die ebenfalls ihr Praxissemester in Wien machen. Letzte Woche starteten wir unsere Wien-Tour auf dem Brunnenmarkt. Ich habe mich dort ein bisschen an Birmingham erinnert gefühlt:

Marktstände, die sich aneinanderreihten und an Obst und Gemüse alles boten, was das Herz in Abwechslung zu studentischem Fast Food so begehrt.

Menschen, die sehr bunt und multikulti sind. Nicht umsonst wird der Brunnenmarkt auch Orient ums Eck genannt.

Anschließend begaben wir uns auf die Suche nach dem Café International und scheiterten daran. So tragisch war das aber nicht, denn das Kaffeehaus, wo wir stattdessen landeten, punktete mit gemütlicher Atmosphäre, handgeschriebener Speisekarte und Tipps aus erster Hand, die wir von sehr netten Wiener Kellnerinnen bekamen.

Am Ende dieses Tages nutzen wir noch die letzten Sonnenstrahlen im September und machten uns auf den Weg ins Museumsquartier, in dessen Mitte alles sehr grün und ruhig ist - perfekt für einen Sonntagnachmittag. Einen neuen Freund habe ich dort auch gefunden (Caro, das geht an dich ):



Das vergangene Wochenende starteten wir im Dorotheum, dem ältesten Pfand- und Auktionshaus der Welt. Es steht definitiv in Wien und nicht in Birmingham und war sehr hübsch aufgemacht, auch wenn mich die verrosteten und jahrzehntealten Blechschilder mehr beeindruckten als die teuren Schmuckstücke.



Anschließend kehrten wir für einen Kaffee im Aida am Stephansplatz ein (ihr seht, das Wort Kaffee wird in den kommenden sechs Monaten ab und an mal fallen). Das Aida ist sehr süß und sehr, sehr rosa. Dort habe ich dann zum ersten Mal in meinem Leben Sachertorte probiert und kann damit eine Sache mehr auf der Liste der Dinge abhaken, die ich in Wien noch unbedingt tun oder sehen will. Diese Liste existiert übrigens noch nicht in der Realität, lediglich in meinen Gedanken.





Weitere Highlights dieser beiden Wochenenden waren der Tag der offenen Tür in den Wiener Tanzschulen - inklusive Willkommenssekt - und ein Kinobesuch im Bellaria, das nachmittags alte Schinken in Schwarzweiß zeigt und auch genauso nostalgisch aufgemacht ist. Fotografien in Schwarzweiß schmücken die Wände und die Dame an der Kasse hat uns noch mit Taschenlampe zu unseren Sitzplätzen begleitet. Die Gelegenheit, ein Foto von diesem hübschen Ort in Retrospektive zu machen, habe ich leider versäumt, aber ich hole sie auf jeden Fall noch nach.

Denise und Sarah haben mir übrigens noch eine sehr nette Strandbar gezeigt, die direkt am Donaukanal liegt, Mango-Lassi anbietet und den Blick auf mehr als hübsche Graffitis freigibt.









Wien war definitiv eine gute Entscheidung, so schön, wie die Stadt schon jetzt für mich ist. Ich hoffe, ich konnte euch einige meiner eigenen Eindrücke schenken.

Küsse nach Hause.
Xmagnolia am 17.9.13 01:37


Der Wiener Prater, ein Spaziergang an der Donau und meine ersten Erfahrungen mit Waschsalons.

Soundtrack: Casper - Im Ascheregen.

Ich breche auf, bin raus.
Dreh das Radio laut, fahr zum Hügel hinauf.
Und tanz im Ascheregen.


Die erste Woche in Wien und im Praktikum ist nun beim Freitagabend angelangt. Die Arbeit selbst schlaucht mich meistens so sehr, dass ich abends müde und mit Licht einschlafe, denn jeden Tag gewinne ich 1000 neue Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden wollen. Ich werde (heraus-)gefordert und das gefällt mir so ganz gut. Meine Mittagspause gestern habe ich genutzt, um mir kurz den Prater anzuschauen. Er liegt nur ein paar Gehminuten von meiner Arbeitsstelle entfernt und die Filiale der Wiener Linien, wo ich mir ohnehin noch ein Semesterticket holen wollte, lag auch auf dem Weg.



Ich bin jetzt zumindest nicht mehr ganz so untröstlich, dass ich die x-te Saison hintereinander den Wasen bzw. das Frühlingsfest in Stuttgart verpasse, denn der Wurstelprater ist ein mehr als nur würdiger Ersatz dafür. Ich bin schon jetzt absolut verliebt in das wunderschöne Riesenrad, das er zu bieten hat, genauso wie in das Kettenkarussell, all die Essensbuden mit süßen und herzhaften Sünden und einfach auch in die Atmosphäre an sich. Mit Postkarten und sogar mit einem Stadtplan habe ich mich auf dem Prater auch gleich eingedeckt, wobei dieser wohl eher zur Dekoration an die Wand kommt. Es ist ja nicht so, dass ich keine Stadtpläne lesen könnte ... Aber mein neu erstandener Reiseführer hat auch einen zu bieten, so könnte ich zumindest den Eindruck erwecken, mich irgendwie zurecht zu finden, was definitiv noch nicht ganz der Fall ist.







Mein zweiter Spaziergang heute war nämlich eher unfreiwillig, denn ich habe bisher noch nicht ganz in Erfahrung bringen können, welche der U-Bahn-Stationen in der Nähe meines Wohnheims liegt. Resultat davon war, dass ich mich heute in einer Ecke von Wien wiederfand, die mir so ungefähr gar nichts sagte. Mein Glück ist, dass ich in einer Gegend wohne, in der die Gebäude meterhoch und auch aus der Ferne zu sehen sind, also gute Fixpunkte für mich. Da ich keine Ahnung hatte, wie ich nun zu meinem Wohnheim in einer gefühlten Entfernung von 80 Kilometern kommen sollte, entschied ich mich zu laufen. Man könnte das Ganze natürlich auch als idyllischen Spaziergang an der Donau entlang tarnen, aber diejenigen, die mich kennen, würden mir diese Lüge wohl ohnehin nicht glauben. Eine kleine Momentaufnahme davon gibt es trotzdem.



Nachdem ich mich von diesem Ausflug kurz erholt habe, ging das Abenteuer dann auch gleich weiter. Ich kann die Waschmaschinen im Wohnheim leider noch nicht nutzen, weil ich dafür eine österreichische Bankkarte brauche und diese wohl nicht vor Ende nächster Woche ihren Weg zu mir finden wird. Also habe ich heute kurzerhand meine Wäsche zusammengepackt und mich auf den Weg zum nächsten Waschsalon gemacht. Fazit 1:

Ich stehe total auf die Atmosphäre in Waschsalons. Dieser war bunt und freundlich gestaltet und bot weiche Bänke, auf denen ich es mir bequem machte und die Zeit mit dem Schreiben von Postkarten verbrachte, während ich den bunten Sachen beim Schleudern zusah. Außerdem kam und ging in den 80 Minuten eine sehr bunte Mischung an Menschen ein und aus, die ich gerne beobachtete.

Fazit 2: Lies vor der Benutzung auf jeden Fall die verdammte Anleitung genau durch! Ich habe das als Waschsalon-Anfängerin nämlich vernachlässigt. Resultat: Kochwäsche. Die Frau, die ich dann panisch um Hilfe bat, kommentierte das Ganze nur mit einem lässigen "Na, die Wäsch' ist hin." Von wegen, da waren meine Lieblingsteile drin, die würde ich retten. Also habe ich das Programm abgebrochen, normale Buntwäsche eingestellt und gebetet, dass mir meine Lieblingsjeans nach nur 5 Minuten bei 90° noch passen würden. Ich war wohl noch nie so aufgeregt beim Öffnen einer Waschmaschine, wie ich es heute war. Ist zum Glück aber alles gut gegangen, zumindest hat auf den ersten Blick alles noch die Originalgröße, die es hatte, bevor es kurz gekocht wurde. Diese fünf Minuten Angst waren mir auf jeden Fall eine Lehre für das nächste Mal.



Morgen treffe ich mich dann mit Sarah und Denise, den beiden Mädels von meiner Uni, die wie ich ihr Praxissemester in Wien machen. Ich freue mich schon auf ein paar vertraute Gesichter und natürlich das weitere Erkunden dieser großen, aufregenden und schönen Stadt, hoffentlich ohne weitere Zwischenfälle. Aber immerhin bleibt es so spannend.

Küsse nach Hause.
Xmagnolia am 6.9.13 21:31


Geschichten vom Reisen und Ankommen.

Soundtrack: Paolo Nutini - Candy.
I know that they're writings on the wall, but baby ...


Die ersten beiden Tage in Wien neigen sich nun auch schon ihrem Ende zu. Ich bin erschöpft, aber zufrieden. Ich mag die Stadt gern, sie ist groß und windig.

Als ich gestern die Tür zu meinem Zimmer auf Zeit geöffnet habe, war ich gleich ein bisschen verliebt. Nicht unbedingt, weil ich das Schlimmste befürchtet hatte, aber bei der Beschreibung im Internet klingelten schon ein paar alte Athena-Ängste. Die werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr los. Das Haus Panorama jedenfalls ist in den wichtigsten Punkten definitiv anders:

Klein und süß und sauber. Eine Studentin aus Regensburg, die ich gestern beim Einzug kurz kennengelernt habe, fand dafür die treffende Beschreibung "Schuhkarton, aber mein eigener Schuhkarton." Das Badezimmer ist klein, hat aber alles, was es als solches benötigt - Waschbecken, Toilette, Dusche und vor allem eine Tür. Als ich das gesehen habe, war ich schon vollkommen verliebt in meine neue Bleibe. Darüber hinaus habe ich im Flur meinen eigenen Kühlschrank, einen Kleiderschrank, noch einen Schrank - wohl als Vorratskammer gedacht - und eine Garderobe. Das Zimmer selbst bietet mehr Stauraum, als ich brauche, aber dafür habe ich mich gestern gleich mal ans Dekorieren und Einrichten gemacht. Was soll ich sagen - ich fühle mich jetzt schon wohler darin, als ich es nach Monaten in meinen anderen Bleiben tat, das Studentendorf vielleicht mal ausgenommen.











Punkt 2, um verliebt zu sein: Linoleum, kein Teppichboden. Und weil ich das Zimmer am Ende des Gangs habe - schon wieder Athena-Erinnerungen! - liegt der Balkon quasi direkt vor meiner Nase, zum Rauchen habe ich es also genau drei Schritte weit. Als ich gestern Abend dort oben stand, kam mir der Gedanke, dass mich Wien (oder zumindest der Teil davon, in dem ich nun wohne) an eine sauberere und hübschere Version von Birmingham erinnert, aber vielleicht haben das Großstädte mit ihren riesigen Gebäuden auch einfach nur an sich. Und so sieht das Ganze von weiter weg aus:



Damit ich Zugang zum Internet bekommen konnte, habe ich dann abends noch meinen Computer im System registrieren lassen - supernette und hilfsbereite Studis! - und das war es dann auch schon. Fast 800 Kilometer Autofahrt innerhalb von 2 Tagen und das Hochschleppen und Einräumen der Sachen hat mich müde gemacht, immerhin wartete der erste Praktikumstag heute auch schon auf mich. Auch dieser war schön:

Das Team scheint sehr nett und entspannt zu sein, alle sind per Du miteinander und für das Arbeitsfeld brenne ich ja ohnehin. Jetzt bin ich gespannt, was noch so kommt und was mich erwartet. Der Arbeitstag morgen beginnt um 9 und endet um 21 Uhr, ich werde also auf Trab gehalten. Das ist ganz gut so, denn der Teil meines Wohnheims, in dem ich wohne, scheint noch menschenleer zu sein. Die Küchen sehen unbenutzt aus, andere Raucher habe ich auf dem Balkon auch noch nicht getroffen und meine Mitbewohnerin ist bisher unsichtbar geblieben. Da könnte einen so ganz allein in so einer großen Stadt fast das Heimweh überkommen, aber bisher hielt mich all das Organisatorische ganz gut auf Trab. Angemeldet in Wien habe ich mich heute auch schon, ein österreichisches Konto eingerichtet und mich nicht darüber gefreut, dass ich nach einer Stunde, in der mein Auto vor meiner Prakitkumsstelle stand, bereits einen fetten Strafzettel von 36 € kassiert habe. Absolut gemein. Der Plan ist jetzt, es mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu schaffen - bei meinem Glück und meiner Orientierung werde ich sehr bald sehr viel von Bratislava sehen, wenn ich nur versuche, mit dem Bus in den nächsten Wiener Bezirk zu kommen.

Ich werde berichten, wie das Abenteuer weitergeht.
Fühlt euch zu Hause geliebt und vermisst.
Xmagnolia am 3.9.13 18:10


Zwischenstopp.

Soundtrack: Elif - Feuer.
Du sagst "Wir sehn uns bald wieder, mir wird schon nichts passieren." Dein Taxi, dein Flug ist gebucht.


Statt Taxi und Flugzeug habe ich mich diesmal für mein Auto als Reisemittel entschieden, denn ich liebe weite Straßen und noch mehr die Tatsache, mich beim Packen nicht an ein Maximalgewicht von 23 Kilo - wobei schon alleine der Koffer selbst acht davon wiegt! - halten zu müssen. Bequem, schnell, weite Straßen und laute Musik. Zigarettenpausen auf Raststätten, Reisende beobachten, Autokennzeichen erraten. Und irgendwann war ich dann auch sicher an meinem Ziel angelangt. Meine Sim nimmt mich für eine Nacht bei sich auf, bevor es morgen Früh weiter nach Wien geht. Weiter auf Reisen, weiter auf Umwegen. Es bleiben noch mehr als 300 Kilometer, um endlich zu realisieren, dass Wien nun tatsächlich beginnt. Und mein Wohnheim ist noch immer eine Wundertüte, die ich morgen endlich öffne.

Ein kluger Mann sagte einst, Kinder sollten von ihren Eltern zwei Dinge bekommen - Wurzel und Flügel.

Ich habe das Glück, beides zu haben. Nicht nur meine Eltern gaben es mir einst mit auf den Weg, sondern auch meine Großeltern, die mich immer daran erinnerten, woher ich komme. Genauso wie Freunde, die zu den Konstanten geworden sind, an denen ich mich orientiere. Ich habe den Punkt, an dem Heimat für mich mehr geworden ist als nur das Stück zwischen zwei gelben Ortsschildern, längst verpasst. Aber ich habe auch wundervolle Fixpunkte, die bleiben.

Vielleicht gibt es keinen perfekten Moment, um zu gehen.
Aber vielleicht ist das auch okay so.
Xmagnolia am 1.9.13 22:56


Time machines.

Soundtrack: Prinz Pi - Glück.
Die besten Dinge kommen immer in den kleinsten Stückzahlen, [...]


Ich bin eine Chaotin und das werde ich wohl auch immer bleiben. In den letzten Tagen sind diese Erkenntnis und ich die besten Freundinnen geworden, denn einmal mehr bleiben nur noch wenige Tage, bevor das nächste Auslandssemester schon an die Tür klopft und einmal mehr habe ich das Gefühl, es bleibt zu wenig Zeit, um mich richtig zu verabschieden und die obligatorischen Dinge zu organisieren. Wenn also der angedachte Zeitplan ohnehin schon einen Crash erlitten hat, von dem er sich bis Wien wohl auch nicht mehr erholen wird, so tue ich nun lieber das, was ohnehin mehr Spaß macht:

Ich plane meine Abschiedsparty, anstatt meine Koffer zu packen. Sie wird groß und wundervoll, das weiß ich. Und bis dahin ein kleiner Rückblick auf die Zeit in England und auf 4 Monate, die so aufregend wie schön waren.



10 Orte, die ich gesehen habe

- London!
- Oxford
- Kendal
- Windermere
- Black Country Living Museum
- Sparkbrook, unser liebstes Ghetto
- Manchester, wenn auch nur für einen kurzen Zwischenstopp auf Durchreise
- The Jewellery Quarter
- Diverse Flughäfen und Bahnhöfe
- Und natürlich Birmingham selbst, bei Tag und bei Nacht, all die Märkte, Pubs und Clubs und industriell-hässlichen Seiten + die schönen Ecken

9 Dinge, die ich vermisse

- Starbucks mitten auf dem Unigelände
- Einkaufsmöglichkeiten, die sich sehr nahe an meinen Träumen bewegt haben
- Meine lieben Mitbewohnerinnen
- Bibliotheken, die sich auch wirklich nach Studieren anfühlen
- Die bunte Truppe, mit denen wir feierten und reisten und die uns so ein Stück weit begleiteten
- White Chocolate & Raspberry Cookies!
- Den Each Bowl, one Pound-Song
- Skype-Sessions mit meinen Lieben zu Hause
- Das Gefühl, sich darauf zu freuen, nach Hause zu kommen

8 zufällige Gedanken

- Wenn der Koffer größer ist, ist er auch schwerer. Das könnte zu Momenten der völligen Verzweiflung beim Packen führen.
- Vor allem in der Prüfungszeit ist es verdammt wichtig, genug Schokolade im Haus zu haben.
- Salz ist im Supermarktregal keine Selbstverständlichkeit.
- Schneit es, entfällt die Uni.
- Nicht jeder hat die gleiche Auffassung von multikulti.
- Ohne Sinn für Orientierung ist Birmingham eine verdammt große Stadt.
- Busse in Birmingham sind nicht als zuverlässig zu betrachten. Niemals.
- Cornflakesschachteln sind vielseitig einsetzbar.

7 meiner Lieblingserinnerungen

- Gossip-Girl-Abende mit Pati und Baked Beans
- Alle Lieblingsmenschen, die mich in Birmingham besucht haben
- Lieber auf dem Spielplatz vor unserem Haus zu schaukeln, anstatt Essays zu schreiben
- Flughafenmomente, die sich nach Reisen anfühlen
- Die Tage im Lake District
- Psycho (Do you wear underwear?)
- Mein letzter Abend in Birmingham

6 Vokabeln, die ich gelernt habe

- Olde - Brummie English für Aldi
- Reluctance - Widerwille / Zurückhaltung / Abneigung
- Compulsory - verpflichtend
- Phonics - den Laut / die Stimme betreffend
- Intersectionality - Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungen
- Counselling - Beratung (Worum geht's in dem Seminar noch gleich?)

5 Dinge, die mir definitiv nicht fehlen

- Busfahren
- Englische Krankenhäuser und Arztzimmer
- Die Matratze in Birmingham
- Candy, unsere herzallerliebste Diva von Waschmaschine, die uns alle eine komplette Ladung Wäsche schon mit den Händen hat auswringen lassen (die einen öfter, die anderen seltener)
- Brummie English

4 Gründe, mit ERASMUS nach England zu gehen

- Nette, interessante, lustige und beeindruckende Menschen aus allen Ecken Europas und der Welt
- Wie bereits gesagt: Wenn es schneit, entfällt die Uni.
- England hat wunderschöne Städte zu bieten - Birmingham zählt nicht unbedingt dazu - und ist verdammt nahe an London dran
- England ist sicher nicht die schlechteste Möglichkeit, um Englisch zu sprechen

3 Worte zu London

Ich liebe dich!

England in 2 Worten

Widersprüchlich, spannend.

Vier Monate in 1 Schlagwort

Fernweh.
Xmagnolia am 28.8.13 17:27